Die XBR Pfingsttour 2001
1.-4.6.2001

Oder: Es geht schon, wenn man will!

von Robert

Nachdem im letzten Jahr die Pfingsttour in Franken stattfand, war die "offizielle" XBR Pfingsttour 2001 durch die Eifel, Luxemburg und die Ardennen geplant, der Wetterbericht lies jedoch nichts gutes verheißen. Den ganzen Freitag über grübelte ich, wie man diese Tour vor der kompletten Katastrophe retten könnte. Die Vorhersage kündigte für den Samstag Regen mit sinkenden Temperaturen an. Am Sonntag und Montag sollten die Temperaturen bis auf 5ºC Höchsttemperatur sinken, dazu weiterhin Regen, Regen, Regen.....

Unter diesen Umständen war es wahrscheinlich, daß spätestens am Sonntag alle die Heimreise antreten würden, so wie z.B. bei der Elsass-Pfingsttour vor einigen Jahren. Ich traf also auf dem Campingplatz in Monschau ein und bezug gleich Quartier auf der hintersten Wiese, direkt an der Rur gelegen. Da niemand auftauchte, konnte ich nicht dem pittoresken Monschau einen Besuch abstatten.

Ich setzte mich also in die Campingwirtschaft und wartete auf die Horden von tapferen, weder Wind, Wetter, Tod und Teufel fürchtenden XBR-Fahrern (Anmerkung des Verfassers: Zum allerersten Mal erschien ich zu einem XBR-Treffen ohne meine XBR, sondern mit meiner neuen SV 650 S, dafür mit viel schlechtem Gewissen). Ein Jägerschnitzel und zwei Weißbiere später kam ich dann mit den am Tisch sitzenden niederländischen Motorradpärchen ins Gespräch. Diese Unterhaltung hielt mit Hilfe eines dritten Weißbiers trotz der Tatsache, daß es sich um Chopperfahrer handelte, bis zum Eintreffen von Martin und Enrico. Deren Ankunft mußte natürlich erstmal mit einem Weißbier gefeiert werden. Beim letzten Schluck des fünften Weizengetränks unter den Augen des unruhig-auf-die-Uhr-blickens des Wirts (kurz vor Mitternacht) schneite der schon fast verschollen geglaubte Johannes herein. Gleich drauf ging es in die Zelte, wobei die Fete, die neben uns mit Dschingderassa abging, auf mich keinen Effekt hatte. Mit genügend Hopfen im Blut und mit einem Satz Ohrenstöpsel ausgerüstet grunzte ich zufrieden bis zum Morgen. Der Rest der Truppe übrigens auch.
Am Abend zuvor konnte ich aufgrund der eindeutigen Datenlage alle davon überzeugen, daß wir unsere Route ändern mussten, um dem angekündigten Desaster zu entgehen.

Als Ziel wurde Südfrankreich anvisiert, einfach aus dem Grund, da ab dort das Wetter einigermaßen passabel sein sollte. Um 6 Uhr Morgens hielten es Johannes und ich nicht mehr im Zelt aus und standen auf, wobei die anderen drei ebenfalls rasch aus den Federn kamen. Um 7 Uhr saßen wir bereits abfahrbereit auf den Mopeds. Auch Herr Martin L. Aus K. (Name von der Redaktion nicht geändert), der nicht einmal seinen Schlüssel suchen musste.

Dieser Aufbruch muß schon fast als "historisch" bezeichnet werden, das gab's noch nie.

Als erstes ging es zur Tankstelle, wo Roß und Reiter mit Nahrung versorgt wurden. Aufgrund des Regens, der bereits eingesetzt hatte, gingen wir auf Nummer sicher und fuhren so bald wie möglich auf die Autobahn. Die 30 km dorthin gaben uns einen Geschmack, was uns erwartet hätte: Extrem schlechte und besonders bei Regen rutschige belgische Straßen dritter Klasse (mitteleuropäischer Durchschnitt: fünfter Klasse).

Kurz nach Lüttich gab es erst mal eine Kaffeepause und ein zweites Frühstück zum aufwärmen. Die Fahrt durch die Ardennenautobahn nach Luxemburg gab uns einen Eindruck, wie frisch es dort oben um diese Zeit schon war, genau wie vorhergesagt. Nach dem obligatorischen luxemburgischen Tankstopp verabschiedete sich Martin, da ihm die Reise zu weit war, was nüchtern betrachtet eigentlich ja auch gerechtfertigt ist. Zwischen 800 und 1000 km Anfahrt (einfach!) für einen Tag Fahrt ist ja eigentlich auch ziemlich abgedreht, aber man muß nur wollen!

Wenn das Wetter nicht mitspielt, dann fährt man halt so weit, bis es schöner wird, basta!

In Frankreich lockerte es dann immer mehr auf. Wir verabredeten uns telefonisch mit Matthias auf einem Parkplatz südlich von Valence. Als abzusehen war, daß nur den abgesprochenen Zeitplan nicht einhalten konnten (was für ein Gegenwind!), beschloß ich vorauszufahren, um Matthias nicht eine Ewigkeit warten zu lassen. Um halb sechs war ich dann vor Ort, ohne mich von häufigen Tankstopps und Radaranlagen aufhalten zu lassen. Kein Matthias weit und breit. Das Wetter hatte mittlerweile auf 25 Grad und blauen Himmel umgeschlagen. Ich genehmigte mir erst einmal ein Baguette und genoß die Abendsonne.

Eine Stunde später traf dann Matthias aus der Schweiz ein. Wir ratschten etwas und knapp vor halb acht tauchten dann auch Johannes und Enrico wieder auf. Gemeinsam fuhren wir noch ein Stückchen weiter und ließen uns auf einem Zeltplatz bei Le Pouzin im Ouvezetal nieder. Ein netter Platz mit netten Leuten.

Nach dem Zeltaufbau forderte unser Magen vehement eine Nahrungsaufnahme, dem wir natürlich stattgaben. Enrico wollte sich auf dem Zeltplatz was bruzzeln und war nicht zum mitkommen zu beweegn. Der Rest der Truppe machte sich auf und fand nach längerer Suche (wegen der Feiertage war so ziemlich alles geschlossen) in La Voulte sur Rhone ein nettes Restaurant.
Wir ließen uns das Menu so richtig schmecken und labten uns an Gänseleberpastete, Schnecken, Salat und Magret. Wie Gott in Frankreich halt. Mit prall gefülltem Ranzen gings in die Heia und am nächsten Morgen zeigte sich das Wetter zunächst von der wechselhaften Seite. Nach dem französischen Frühstück mit café au lait und croissants ging es los.

Unsere ursprügliche Absicht, in die Cevennen zu fahren, machte der Nordwind zunichte, der eine schwarze Wolkenfront heranblies, was einen Trip in die Berge nicht ratsam erschienen ließ. Als Alternative fuhren wir das Rhonetal über kleine Dörfer wie Cléon, Salles, Taulignan. Das Wetter vollführte einige Kapriolen und wechselte in Minutenabständen.
Ein einziger Abstecher in die falsche Richtung und wir gerieten in einen Platzregen, der sich gewaschen hatte. Und genauso sahen wir dann auch aus. Da blieb nicht mal mehr Zeit, den Regenkombi auszupacken, geschweige denn anzuziehen. Zum Glück dauerte dies nicht lange, und wir konnten weiterfahren. Der Trick bestand nun darin, immer dem Wolkenloch zu folgen. Das klappte dann auch sehr gut, wir wurden dann wieder einigermaßen trocken und kamen so durch Nyons und Vaison-la-Romaine bis Malaucène.

Dort wurde erstmal Mittach gemacht, bei 25 Grad und praller Sonne.

Danach kurvten wir durch die Schlucht der Nesque, Ein kleiner Canyon mit vielen Ausblicken, die aber an uns vorbeihuschten, da wir endlich auf die richtigen Kurven gestoßen waren.

Der anschließende Rundkurs über Methamis machte eigentlich nur Enrico richtig Spaß (XL), den anderen war es zu holprig. (Anmerkung von Johannes: Mit der XBR hätt Robert das nicht gesagt..) Irgendwann reichte das Geschüttel dann auch wieder und wir fuhren wir auf normalen Straßen.

In Sault gab es nochmal ein Päuschen und bald darauf in Montbrun den lange ersehnten Kaffee zur Stärkung, denn es lag noch eine lange, aber lohnenswerte Abendtour vor uns. In der Abendsonne gings es rüber nach Eyguians und wieder zurück nach Westen in Richtung Nyons. 60 km voller Kurven und gutem Teer, was zu einigen Stuntfotos verleitete


(Na gut, da ist schon noch viel Platz unterm Knie…). Zurück ging es über Crest, in den letzten Strahlen der Abendsonne. Nach knapp 500 km (!!) und zahlreichen Runden in Kreisverkehren (ab zwanzig Umrundungen wird einem schwindlig!) wurde es dann gleich schon wieder dunkel und wir kehrten nochmal zum Abendessen ein.

Bei der Heimfahrt war Johannes wohl etwas verwirrt, brauste an einer Kreuzung an mir vorbei in die falsche Richtung und konnte nur durch hektisches hinterherschweißen und Übertretung einiger Straßenverkehrsregeln wieder eingefangen werden. Auf dem Zeltplatz erwartete mich noch eine Überraschung: Mein Zelt war nicht mehr da! Nach einigen Schrecksekunden fand ich es schließlich einige Meter weiter. Eine hohe Hecke hatte die Flucht aufgehalten, der Mistral muß wohl ziemlich heftig beblasen haben!

Am nächsten Morgen gab es wieder das Frühstück in der Sonne und bald darauf mußten wir uns leider voneinander verabschieden, weil wir mit Ausnahme von Enrico keinen Urlaub für die restliche Woche hatten, welcher noch ein paar Tage dranhängte (Glücklicher!). Die Heimreise gestaltete sich relativ unspektakulär. Um der Autobahnfahrt zu entrinnen, machte ich wenigstens noch einen Abstecher über Luxemburg, denn 900km Autobahn sind nicht allzu spannend. Alles in allem war es doch eine lohnende Tour, denn die Wetterstatistik zeigt, daß wir ganz schön im Regen gestanden wären... Die XBRs verabschieden sich voneinander in der Schweiz:

Der Enrico hat dann noch gemeldet:

Hallo Johannes! Nicht schlecht, so ein Opel Corsa, wenn er einen bis nach Hause bringt. Die Autobahnetappe war für die alte XL wohl doch ein bißchen zu viel, beziehungsweise das Öl im Motor zu wenig. Bin am Montag noch ein schönes Ringel nach Westen gefahren ca.300 km, wunderbares Panorama vom Mont Ventoux bis zu den Cevennen gehabt. Am Dienstag durchs Vercorgebirge langsam Richtung Heimat und da ging's los, der Anfang vom Ende.

Kläpper, kläpper, kläpper!!????? Schlimme Geräusche aus dem Kopf. Nachgeschaut. Ca.1-2mm Spiel am Auslass, na toll. Eingestellt und mit Gekläpper weiter bis zu Hajo in Rottweil. Schönen Tag Pause gemacht, gefachsimpelt bis tief in die Nacht und nochmals eingestellt (wieder1-2mm Spiel) Am Freitag los Richtung Sachsen, Motor kläppert, aber zieht sonst normal. Bis TBB-Rasthof A81. Zieht nicht mehr, rausgefahren nachgeschaut. Ah-den Bolzen vom linken Auslasschlepphebel kann man ja raus ziehen, das ist nicht gut. Weiterfahren war dann natürlich nicht mehr.
Also ADAC. Ein Lob an dieser Stelle, eine Stunde vom Anruf bis ich im Leihwagen saß. XL wird per Sammeltransport nachgeliefert. Bin jetzt sehr gespannt was sich mir für ein Blick bietet, wenn ich den Deckel abnehme, rechne mit einer verschlissenen Nocke sowie Kipphebel und hoffe,daß die Lagersitze im Deckel noch intakt sind.

Fazit : bei schnellen Autobahnfahrten noch öfter nach dem Öl schauen. Egal,die Tage in Frankreich waren schön und das ist die Hauptsache.

Immernoch neidisch?????????

Mit freundlichen Grüßen

Enrico

Hier noch der Wetterbericht der das verursacht hat:

Ardennen, Tiefsttemperaturen


Ardennen, Höchsttemperaturen

Ardennen, Niederschlag

Im Gegensatz dazu:

Provence Höchsttemperaturen

Provence, Tiefsttemperaturen

Sonnenschein:

Niederschlag:

So hoffen wir, daß sich auch nächstes Jahr wieder der ein oder die andere zur Pfingsttour aufraffen kann!

Mit freundlichem bub bub bub
Johannes 0151 18 51 95 37

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