Der BMW GS 650 Test auf Madeira

Madeira ist schon eine nette Insel, auf der es nicht nur den gleichnamigen mit Alkohol verschnittenen Wein gibt. Botanik, Landschaft und nicht zuletzt das Wetter sind einmalig. Madeira ist vulkanischen Ursprungs und so ragt es schroff aus dem Meer heraus.
Gerade Straßen zu bauen ist auf Madeira nahezu unmöglich, ein Motorradparadies......

Glücklicherweise gibt es einen Motorradverleih, bei dem ich mir eine recht neue BMW 650 GS ausgeliehen habe. Den Hinweis "Alle Teile, die im Gelände beschädigt werden, müssen zu 100% ersetzt werden" und die bei der Einweisung als einwandfrei vorgeführten kratzerlosen Verkleidungsteile habe ich mit stoischer Ruhe ignoriert. Schließlich habe ich mir an den Vortagen schon eine ca 20 Km Schotterpasstour auf die Hochebene Paul de Serra ausgearbeitet.
Geht Scho! dachte ich mir immerhin heißt GS ja Geländesport, oder? Zum Einschießen bin ich noch einige normale Pässe gefahren. Man hat auf der Insel immer wieder sagenhafte Ausblicke auf Meer und Wolken.

Man muß schon sagen mit der Einspritzanlage haben die BMWler einen guten Wurf getan, der Dreh an der rechten Seite wird digital in Vortrieb umgesetzt und das selbst bei Standgasdrehzahlen, sauber!

Reflexartig habe ich in einem Tunnel den Killschalter gedrückt um es knallen zu lassen, Mist vergessen - Kat und Motormanagement. Dieses befahl Stillstand dem nur mit erneuten Anlassen beizukommen ist. Fortschritt hat auch Nachteile *!* Aufgrund der Gefälle auf der Insel hat der Motorradverleih die GS mit einer Spiegler Gussscheibe aufgerüstet, zusammen mit ABS eine Hightech Sache. Allerdings habe ich es auf der Straße nicht geschafft das Vorderrad zum Regeln zu bringen. Hinten ist es easy, ich finde eher störend.

Bevor es ins Gelände geht noch schnell einige Bilder in der Totalen. Von allen BMW Modellen finde ich die 650 GS am schönsten. Ein Einzylinder! Ich harre der Dinge, wann endlich ein reiner Straßeneinzylinder gebaut wird. Die von Motorrad gezeigten Skizzen mit Zahnriemen lassen hoffen. Vielleicht traut sich endlich mal jemand dem Eintopf serienmässig 60 +X PS zu spendieren...
Aber zurück zur GS, beim Fahren über die Wiese mußte ich feststellen, daß doch ein großer Teil der im Stand vorhandenen Bodenfreiheit durch Negativfederweg aufgezehrt wird. Das Bodenblech grüsste mit deutlichem Schranzzz. Hoppla. Also erst die Fotos, dann die Federvorspannung erhöhen:

Zu erkennen ist der praktische Tankeinlass im Heck und die dicke Doppelauspuffanlage. Optisch ganz nett. Der Doppelauspuff ist allerdings ein Dummy, denn offen ist nur eine Seite auf der linken Seite ist nur ein insektengroßes Löchelchen. Das ganze schaut irgendwie tonnenschwer aus, ich würde sagen ein klarer Fall für die Zubehörindustrie. Von der bekommt man bestimmt auch eine etwas höheres Schild gegen allfälligen Winddruck.
Für den Abfalleimer ist dagegen das Schamblech über dem Hinterrad, wer braucht den sowas?
Persönlich finde ich auch Blech zwischen den Beinen netter, allein schon um einen Magnettankrucksack draufzuschnallen, aber was soll man von einer Tankatrappe schon erwarten. Leider auch noch sturzgefährdet das Teil, erinnert mich ein bisschen an die Standarddelle im XBR Tank.... Dafür ist der Öleinfüllstutzen gut zu erreichen und ein Gepäckträger an Bord.

Ein Blick unter die Sitzbank zeigt (noch) motorraduntypisches: Tank mit integirerter Benzinpumpe, Einspritzsystem, kein Platz mehr für sonstiges Gepäck.

Am nächsten morgen geht es in aller Frühe auf die in Madeira frisch gebaute Autobahn, um noch vor der Mittagshitze den Schotterpass zu bezwingen. Also die Höchstgeschwindigkeit testen. Da die Autobahn sehr kurvig ist und immer wieder zwischen den Tunneln starke Böen blasen, sowie in den Tunneln LKWs mit 50 vor sich hinkriechen habe ich den Vmax Versuch bei ca 160 Km/h abgebrochen (ich höre schon die Ausrufe: Weichei, Frühbremser...) -ein andermal.
Jetzt aber die Gummies von den gezackten Fußrasten abgeklipst und in die Tasche gesteckt.
Leicht nervös, schließlich sind meine Endurozeiten schon ein Jahrzehnt vorbei, beginne ich den Anstieg zum Schotterpass. Der Untergrund besteht aus extrem griffigen Tuff und Basaltschotter mit roter Grundfarbe. Super! Nach einigen Kehren gelingt auch schon der leichte Drift mit giftig roter Staubwolke, schade, daß ich alleine bin das wäre ein Photo wert.
Das erinnert mich daran, daß ich alleine auch keinen Sturz bauen sollte, denn auf der Piste ist kein Mensch unterwegs. Also lasse ich es etwas langsamer angehen. Auch eine Trinkpause muß mal sein, die Höhenunterschiede machen sich bemerkbar.

War auf den ersten 20 Kehren der Untergrund noch planer Schotter, so werden jetzt die Steine immer größer und die Auswaschungen vom Regen immer tiefer. Die Schranzz Geräusche werden zahlreicher. Der Motorschutz hälts aber aus. Die Entscheidung zwischen mit ordentlich Gas drüber oder das ganze im Trailtempo fällt immer häufiger zugunsten Trail. Das geht ordentlich auf die Pumpe! Die aufgezogenen Metzeler Tourance Reifen geraten auch immer öfter an ihre Grenzen. Immer wieder muß ich die Kupplung schleifen lassen, da der erste Gang für solche Sperenzchen zu lang ausgelegt ist. Dafür antwortet diese nach einer Weile mit ziehmlich ekelhaften Gequietsche. Gerade als ich beschließe deshalb eine Pause zu machen, habe ich nicht mehr genug Schwung für eine Steintreppe, das Hinterrad dreht durch, die Kiste kippt mir rechts weg.
Mist! ich denke an den Vertragshinweis. Mir ist Gott sei dank nichts passiert und vorsichtig wuchte ich das Mopped wieder in die vorgesehene Lage. Ha! genial, kein Kratzer.... aber ich kann nicht leugnen eine leichte Enduro ist die GS 650 nicht!

Ich kontrolliere sicherheitshalber den Ölstand, ist i.O. nach Abkühlpause von Mensch und Maschine kann es also weitergehen. Das Geröll wird auch nicht mehr größer, ich komme weiter und versuche die gelegentlich kreischende Kupplung zu ignorieren. Scheint ein Schwachpunkt zu sein. Stolz schieße ich mit einer Staubwolke im Schlepp auf die Ebene Paul de Serra hinaus, unter den missbilligenden Blicken einiger Bustouristen...
Das Glück kann nur noch mit dem sagenhaften Sonnenuntergang gesteigert werden.

Der Gedanke an Madeirawein läßt einen den nachts in engen Kehren nachteiligen rahmenfesten Scheinwerfer wohlwollend übersehen. In Summe hat das Mopped Spaß gemacht. Im Gelände gerät man jedoch an Grenzen, da sind die Kollegen mit KTM, WR oder DR flotter unterwegs. Nach der ganzen Begeisterung merkt man den Hintern doch mehr als erwartet. Da hätte BMW einen strafferen Schaum spendieren können. Mit diesen Gedanken gebe ich unter den kritischen Blicken des Verleihers das Mopped wieder zurück. Keine Kratzer....

Zuhause wartet die XBR.

Mit freundlichem bub bub bub
Johannes

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