Wechsel der Gabelsimmeringe der XBR bzw. GB Gabel

Schon lange habe ich mir vorgenommen einige wichtige Punkte der XBR Wartung und kleinere Reparaturen im Internet darzustellen. Wer richtig schnell sein will muß gut federn und dämpfen deshalb die Wartung der Gabel. Mangelnde Dämpfung führt zu verminderter Bremsleistung und erhöhten Reifenverschleiß.

Die Wartung der Gabel sollte man nicht als Erstlingswerk in der Schrauberkarriere angehen... Wenn man das das erste mal macht muß man locker einen Arbeitstag rechnen.

Noch ein paar Worte zum Grundsätzlichen: Ich beschreibe nur was ich an meinem Mopped mache, ich übernehme keine Verantwortung für entstehende Schäden, wenn Du das nachmachst, wenn Du Dir nicht sicher bist, gehe lieber zur Fachwerkstatt! Bei allen Arbeiten am Mopped sollte man gutes Werkzeug verwenden, genügend Zeit (nicht in der Nacht vor der großen Tour) zur Verfügung haben und sauber arbeiten. Dazu benötigt man saubere fusselfreie Lappen und eine Unterlage, damit kein Öl... auf den Boden kommt.

Dreck in den Teilen ist Gift!

Alles was Ölverschmutzt ist usw muß z.B. bei der Stadt/Bauhof... speziell entsorgt werden.

Da wird ja im Phorum immer wild spekuliert welches Gabelöl das beste ist... Honda schreibt ATF Öl vor (Automatikgetriebeöl). Oft wird vorgeschlagen 10er und 15er Gabelöl zu mischen um ein zäheres Öl zu bekommen. Ich habe einfach normales synthetisches SAE10W-15 Gabelöl aus dem Zubehörhandel verwendet.... Grundsätzlich je dünner das Öl desto weicher ist das Ansprechverhalten, aber die Dämpfung geringer. Je zäher das Öl desto geringer die Sensililität dafür sind die Dämpfungsreserven größer. Persönlich habe ich es lieber weicher und habe dafür gegen Durchschlagen etwas mehr Öl (140mm =ca 380 ml pro Holm) in der Gabel (weniger Luftpolster=steifere Feder). Da der Choice einmal ausgerechnet hat daß bei dem Volumen mit Feder beim Einfedern gar kein Volumen mehr übrig bleibt empfiehlt er 160 mm und dafür 12er Öl das man aus 15er und 10er zusammenmischen kann

Praktisch sind Gabelölflaschen mit Schlauch, damit man zur Not zuviel eingefülltes Gabelöl auch wieder absaugen kann. Ich habe schon seit langem die Orginalfedern mit Hülse gegen eine progressive Gabelfeder ohne Hülse aus dem Zubehör getauscht. WD40 (zum Reinigen), Dirkol (zum Abdichten) und Kupferpaste/MOS2 (für die Schrauben) habe ich zur Hand. Wer schlau ist besorgt sich vorher noch die Gleitbuchsen, die Schmutzabstreifringe, die eigentlichen Gabeldichtringe und die Kupferdichtungen...

Ich habe die Simmerringe bei 70000 gewechselt und die waren noch nicht undicht. Grund für die Wartung war für mich die Entfernung des Ölschlamms der durch einfaches Ablassen nicht mehr beseitigt werden kann. Das Öl sollte min alle 2 Jahre gewechselt werden.... Es geht durch die Friktion und den Abrieb der Gleitbuchsen und Feder kaputt. Die Federn sind i.d.R bei 50000 Km verschlissen = gesetzt.

Hier schon mal der Trick mit dem die XBR im eingetauchten federlosem Zustand nicht vom Seitenständer kippt (Kontrolle des Gabelölstands kann man auch vor dem Überholen machen damit man weiß wie hoch es vorher stand)

Und als Beispiel wie ich die XBR mit Hauptständer zum Gabelausbau aufbocke

Das Werkzeug: Ratsche, 17er, 15er, 14er, 12er, 10er, 6er Inbus mit Verlängerung, 5er Inbus, 4,5er Flachschlitzschraubenzieher, Stange, Lappen mit Schnur, Nicht abgebildet: Hammer (300g), Kupfertreiber, 22er (oder war es eine 24er??) Nuß und Ratsche für die Gabelstopfen, Lineal, Tesafilm, Bierfilzl, Bier oder Kaffee (je nachdem)

Als erstes Mopped aufbocken, dann die Gabelstopfen oben abschrauben, damit der Tank keinen Schaden leidet, lege ich einen alten Teppich darüber. Die Gabelstopfen stehen unter Umständen unter Spannung und können einem entgegenschnalzen. Das kann man weitgehend verhindern, wenn durch das Aufbocken die Gabel wirklich ganz ausgefedert ist. Nach dem Abschrauben der Stopfen unten die 10er Gabelölablaßschrauben aufmachen (Wanne unterstellen nicht vergessen). Warten bis nichts mehr rauskommt, Gabelstopfen oben wieder draufschrauben. Ein bekannter Gag ist, wenn jemand die Ablaßschrauben ohne vorheriges Öffnen der Gabelstopfen aufmacht ;-)

Dann folgt der Radausbau, zuerst die Bremse an den Adaptern abschrauben. Die Achsenklemmung ganz ab, Achse raus, Rad raus, Kotflügel abschrauben...

Dabei darauf achten, daß man die Distanzringe im Kunststoff nicht verliert.

Die Klemmschrauben der Gabelklemmung und Stummel öffnen, Sicherungsring außen oberhalb der Lenkerklemmung entfernen. Gabel nach unten durchschieben.

Ich habe die Stummel mit einem Kabelbinder gesichert. Vorsicht auf den Tank!

Jetzt wirds knifflig! Die Gabel am Tauchrohr vorsichtig (Bruchgefahr!) mit Bierfilzl, Pappe, Kunststoff oder Weichholz am Schraubstock einspannen. Feder und Stopfen müssen drin sein.

Die untere Schraube sauber machen, (WD 40) Den Inbus ganz einfügen mit Hammer, (wenn man Inbus Steckschlüssel für die Ratsche zur Hand hat mit dem Hammer die Schraube prellen um das Aufschrauben zu erleichtern) Keinen verwanzten oder Inbus mit Kugel verwenden! Verlängerung über den Inbus (ich verwende immer einen gekröpften Ringschlüssel) und mit Schmackes die Schraube öffnen. (Ein Druckluftschrauber ist natürlich toll...)

Mies ist das, wenn man die Schraube verwürgt. Dann hilft noch ein größerer Torx, den man mit einem schwerem Hammer reinschlägt... und eine neue Schraube

Gabelstopfen ab, Zwischenring, Distanzstück, Feder raus (in einem alten Socken stecken, dann sauen diese nicht so rum). Die Schmutzabstreifringe mit einem flachen Schraubenzieher rauspoolen.

Den Simmeringsicherungsring an der Einbuchtung mit einem flachen Schraubenzieher ausclipsen (WD 40 hilft) Den Rost vom Sicherungsring abschmirgeln. Alles so gut wie möglich reinigen und mit WD 40 einsprühen

Den Dichtring bekommt man heraus, wenn man Tauch und Gabelrohr mit Schwung mehrmals auseinanderzieht...

Hier die einzelnen Komponenten der Gabel, zu beachten die verschlissenen (deshalb kupfernen) Gleitbuchsen, die Sicherungsringe und die untere Dämpfungshülse (mit dem geschliffenen Kegel ).

Die Gabel mit WD 40, fusselfreien Lappen (mit Schnur zum wiederausziehen) und Stange reinigen. Flächen innen nicht beschädigen (teilweise gibt es ordentliche Lunker innen). Die Sitzfläche des Simmerrings evtl mit Messing Drahtbürste reinigen, Keine Bürstenhaare oder Brösel ins Innere des Gleitrohrs bringen, Lappen reinstopfen.

Ich bewahre immer alles in einem Tütchen auf, da kann nichts verschmutzen oder verlorengehen. Die Dämpfungshülse unten beim Zusammenbau mit der geschliffenen Seite nach oben einbauen. Die Schraube mit Dichtmasse einstreichen. Gabelfeder, Distanz, Ring, und Stopfen drauf, Schraube unten festziehen. Ablaßschraube mit (neuer?) Kupferdichtung wieder reinschrauben. Nicht zu fest anziehen! Danach ist oben die Reihenfolge Gleitbüchse, Distanzscheibe, Simmerring. Simmerring und Gleitbuchsen ringsrum einölen. Die Gleitbuchsen mit dem Schlitz quer zur Fahrtrichtung einsetzen. Distanzseibe darüber scharfe Seite nach unten. Den Simmerring mit der beschrifteten Seite nach oben bzw mit den Federn nach unten (Zubehörringe haben manchmal auf beiden Seiten Federn). Die Rillen oben an der Gabel gegebenenfalls mit Tesaband überkleben um beim Aufschieben den Dichtring nicht zu beschädigen. Alten Simmerring darüberschieben...

Vor dem endgültigen Einklopfen des Simmerrings noch etwas Gabelöl von aussen einfüllen

Dummerweise ist das eigentliche Foto vom Eintreiben des Simmerrings nix geworden deshalb hier nachgestellt: Im Zubehör gibt es dafür auch extra Eintreibwerkzeug. Es geht aber auch so. Am besten wenn einem jemand das Rohr dabei festhält oder man es im Schraubstock oder in der Gabelbrücke eingeklemmt... Den alten Simmerring über dem neuen, mit einem Kupfer oder Hartholz gleichmäßig ringsrum den Simmerring und die Geleitbüchse mit festen Hammerschlägen eintreiben. Das Kupfer oder das Holz soll die Beschädigung des Tauchrohres verhindern. Keinesfalls mit dem Hammer gegen das Tauchrohr schlagen! Danach alten Gabelring (der ca halb drinsteckt) mit Schraubenzieher entfernen.

Der Sicherungsring muß relativ einfach einrasten, sonst ist der Simmerring nicht ganz drin. Die Enden dürfen nicht aus der Nut herausstehen. Etwas Gabelöl einträufeln gegen Rost.

Den Schmutzabstreifring einölen und aufschieben/einklopfen. Die Gabel zusammen und auseinanderziehen das muß ganz leicht und ohne Widerstand gehen sonst ist bei der Montage was schiefgegangen.. Holm nicht mehr drehen, damit die Teilung der Gleitbuchse unten nicht nach vorne oder hinten kommt (schnellerer Verschleiß)

Vor dem Zusammenbau schraube ich alle Schrauben ganz raus und schmiere diese mit Kupferpaste oder MOS2 Fett ein. Die Tauchrohre in die Gabelbrücken einsetzen mit den Sicherungsringen sichern. Wenn die Ringe auf den Stummeln aufliegen sind beide Rohre gleich weit drin. Dann die untere Gabelbrücke und die Stummel festziehen. Den Kotflügel (Distanzringe) einbauen noch nicht festziehen. Rad Einbauen: Achse Gefettet?Tachoantrieb gereinigt und neu eingefettet? Der Anschlag muß hinter die Noppe an der Gabel. Der Antrieb muß ohne Zwang eingeschoben werden können. Achse festziehen aber nicht die Klemmung festziehen.

Die XBR ohne Federn wie am Anfang gezeigt auf den Seitenständer stellen. Gabel ganz eingetaucht gerade ausrichten. Jeweils 360 ml Öl einfüllen. Mit einem Lineal den Ölstand von der Oberkante des Holms ausmessen. (Orginal 190 mm) Ich fülle das tröpfchenweise auf 140 mm. Je weniger Luftpolster desto härter... Zwischendrin über den Seitenständer die XBR etwas austauchen lasen um die Luft aus den Leerräumen zu lassen. Wichtig ist, daß beide Holme genau gleich hoch befüllt sind! Über den Seitenständer ganz austauchen und die Federn mit dem dichter gewickelten Teil nach unten, bei Orginal die Distanzhülse und die Scheibe einlegen und den Stopfen aufdrehen O-Ring/Gewinde vorher einfetten/Kupferpaste. Die Stopfen nicht zu fest anziehen.

Wer es genau nimmt löst auch nochmal die große Schraube der oberen Gabelbrücke Ein paar mal ganz ein und ausfedern, damit sich alles ausrichtet und dann die Schrauben von unten nach oben festziehen, Achsklemmung, Kotflügel, Untere Gabelbrücke kontrollieren, obere festziehen, Stummel kontrollieren, Bremse festziehen.

Ein paar mal an der Bremse ziehen. Nochmal alles kontrollieren... Probefahrt, fährt wie neu? Kontrollieren alles dicht und alles fest? Am Anfang kann das in die Staubkappen eingefüllte Öl eine Undichtheit vortäuschen. Zur Pflege immer wiedermal die Gabelrohre mit WD 40 reinigen....

mit freundlichem bub bub dämpf
von Johannes

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